Sesselbahn Sattel - Hochstuckli

 

Historische Sesselbahn abgebrochen, Gondelbahn "Stuckli Rondo" seit 17. Juli 05 in Betrieb.

 

Erste Bestrebungen, am Hochstuckli im Kanton Schwyz Förderanlagen für Skifahrer zu erstellen, reichen ins Jahr 1939 zurück, als ein Initiativkommitee zum Bau eines Skiliftes gegründet wurde. Kriegsbedingte Materialschwierigkeiten verhinderten aber vorerst dieses Projekt und erst 1947 nahmen die Initianten ihre Bemühungen wieder auf und reichten in Bern ein Konzessionsgesuch ein. Nach eingehender Prüfung verschiedener Varianten entschied man sich 1948 zum Bau einer kuppelbaren Sesselbahn von Sattel auf den Mostelberg. Damit aber gingen die Initianten ein grosses Wagnis ein, denn sie erteilten den Auftrag zum Bau der Bahn Ingenieur Gerhard Müller und seiner noch jungen Firma. Müller hatte eben ein eigenes Kupplungssystem für Umlaufbahnen entwickelt, das aber erst auf dem Papier bestand und den Beweis zur Tauglichkeit in der Praxis noch erbringen musste. Am Bau der Bahn war neben Gerhard Müller, der für den seilbahntechnischen Teil verantwortlich war, noch die Firma Krause in Männedorf beteiligt, welche die Antriebseinheit mit dem Getriebe lieferte. Und die 15 eisernen Portalstützen in Fachwerkbauweise kamen von der Firma Weber aus Seewen (Sz). Wie schon bei den seit einigen Jahren in Betrieb stehenden Sesselbahnen der Konkurrenzfirma Von Roll wurden auch hier die Zweiersessel quer zur Fahrtrichtung angeordnet, damit die Passagiere während der Fahrt das vorbeiziehende Panorama besser geniessen konnten. Auf ein Schutzdach und einen Seitenschutz wurde aber bei dieser Sesselkonstruktion verzichtet. Die neue Sesselbahn Sattel-Mostelberg konnte am 5. Juli 1950 dem Verkehr übergeben werden.

Es zeigte sich aber bald, dass das neue Schrauben-Kupplungssystem mit der Klemme 'A' nicht frei von Kinderkrankheiten war. Einerseits war das Material, woraus die Klemmen gefertigt waren, den auftretenden Belastungen auf die Dauer nicht gewachsen. Dazu kam, dass die Klemmkraft am Seil zuwenig präzise eingehalten wurde, was auch promt einmal zu einem Sesselabsturz unmittelbar nach einer Ausfahrt aus der Talstation führte. Dank dem Umstand, dass sich der Sessel an jener Stelle nur knapp über dem Boden befand, lief der Unfall für die beteiligten zwei Personen noch einmal glimpflich ab. Die Schraubenkupplungen wurden von Müller in der Zwischenzeit weiterentwickelt und mit einem Tellerfederpaket ergänzt und erst ab 1955, als er die Sesselbahn mit diesen neuen, nunmehr Typ 'C' genannten Klemmen ausrüstete, lief die Anlage störungsfrei.

Am 30. Dez.1951 konnte die zweite Sektion Herrenboden-Hochstuckli eröffnet werden. Diese Anlage wurde von der Firma Müller als sog. Kombilift gebaut, das heisst, im Winter wurde die Bahn als Skilift und im Sommer als Sessellift betrieben. Für den Sesselliftbetrieb standen fix ans Seil geklemmte Einersessel zur Verfügung, die ebenfalls quer zur Fahrtrichtung angeordnet waren. Da diese Sessel von den Fahrgästen während der Fahrt bestiegen und verlassen werden mussten, musste die Geschwindigkeit mit 1,5 m/Sek. entsprechend tief angesetzt werden. Anfänglich lieferte ein Deutz-Dieselmotor in der Talstation die nötige Antriebsenergie und erst 1954 konnte der Verbrennungsmotor durch einen elektrischen Antriebsmotor ersetzt werden, nachdem eine Stromleitung von Sattel nach dem Herrenboden gebaut worden war. Seit 1994 wird auf den defizitären Sommerbetrieb auf der zweiten Sektion verzichtet; die Anlage wurde von Garaventa erneuert und zum reinen Skilift umgebaut.

Die kuppelbare Sesselbahn der ersten Sektion hatte mittlerweile ein Alter erreicht, das eine totale Erneuerung unumgänglich machte. Am 6. März 2005 wurde der Betrieb eingestellt und die Anlage anschliessend abgebrochen. Gleich darauf begannen auch die Bauarbeiten an der Gondelbahn von Garaventa/Doppelmayr, die seit dem 17. Juli 2005 den Gästen des Hochstuckli zur Verfügung steht. Als absolute Weltneuheit drehen sich die Achtergondeln während der Fahrt zweimal um ihre eigene Achse und präsentieren so den Fahrgästen das Panorama. Ob dieser "Gag" aber im Stande ist, das veloren gegangene, einmalige Freiluftvergnügen der einzigartigen Nostalgie-Sesselbahn zu ersetzen, muss jeder Fahrgast wohl für sich selber entscheiden.

 

Technische Daten der Sesselbahn Sattel-Mostelberg (Hochstuckli):

 Inbetriebnahme  05. Juli 1950
 Ausserbetriebsetzung  06. März 2005
 Erbaut durch  Gerhard Müller, Dietlikon
 Fahrbahnlänge  1730 m
 Höhe Talstation  777 m.ü.M.
 Höhe Bergstation  1185 m.ü.M.
 Höhendifferenz  408 m
 Grösste Neigung  50,5 %
 Anzahl Stützen  15
 Grösste Spannweite  193 m
 ø Förderseil  29 mm
 Anzahl Sessel  91 à 2 Pers.
 Leergewicht eines Sessels  40 kg
 Fahrgeschwindigkeit  2,3 m/Sek.
 Förderleistung  435 Pers./h

Sesselbahn Sattel - Mostelberg (1. Sektion):

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Abb.1: Das eingeschossige Gebäude der Talstation Sattel mit ausfahrendem Sessel. Abb.2: Abfahrbereite Sessel in der Talstation. Abb.3: Hier wird eben ein Sessel von Hand in die Kuppelstelle geschoben, während weitere bereitstehende Sessel auf Fahrgäste warten. Abb.4: Die Förderseilumlenkung in der Talstation ist als kombinierte Antriebs- und Spannstation ausgeführt. Dazu ist die kompakte Antriebseinheit auf im Boden eingelassenen Schienen verschiebbar gelagert und gegen die Stationsrückwand über eine Spannvorrichtung durch Spanngewichte belastet. Abb.5: Firmenschild der Firma Müller an der Antriebseinheit. Abb.6: Das fast leere Sesselmagazin in der Talstation.

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Abb.7: Ans Seil angekuppelte Schraubenklemme. Gut zu erkennen sind die zwei Laufrollen für die Stationsschienen und das Zahnrad, über welches die Klemme geöffnet und geschlossen wird. Abb.8: Niederhaltestütze nach Ausfahrt aus der Talstation. Gleich anschliessend überquert die Bahn das Flüsschen Steineraa. Abb.9: Das erste kurze Steilstück nach der Talstation. Abb.10: Vor allem im Sommer ist eine Fahrt mit der Nostalgie-Sesselbahn für Gross und Klein ein besonderes Erlebnis. Abb.11+12: Weiter geht die Fahrt über Wiesen und Weiden der voralpinen Landschaft. Abb.13: Zum 50-jährigen Jubiläum der Sesselbahn im Jahre 2000 schuf der Künstler Silvan Baer aus Luzern aus 1000 sitzhohen Baumstammstücken ein Rasterbild einer Kuh. Dieses "Landart-Objekt" wird von hier aus sehr gut sichtbar.

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Abb.14-16: Auf der ganzen Strecke kommen durchwegs Portalstützen in Fachwerkbauweise zur Anwendung. Die Rollenbatterien sind in der typischen Müller-Bauweise gehalten. Abb.17-19: Die Landschaft öffnet sich mehr und mehr und bereits wird der Ägerisee und dahinter der Gottschalkenberg sichtbar.

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Abb.20-23: Vor der Bergstation ist noch ein letzter Steilhang zu überwinden. Abb.24: Die letzte Stütze kurz vor der Bergstation. Abb.25: Ausblick aus der Bergstation auf einen einfahrenden Sessel.

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Abb.26: Bergstation mit ein und ausfahrenden Sesseln. Abb.27+28: Die ankommenden Sessel werden vom Bahnangestellten von Hand abgefangen und auf der Auslaufschiene nach der Entkuppelstelle abgebremst. Abb.29: Wie in der Talstation wird auch hier von Hand gestartet, Förder- und Startvorrichtungen fehlen gänzlich. Abb.30: Kuppelklemme auf der Umlaufschiene. Abb.31: Das Sesselmagazin der Bergstation.

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Abb.32: Das einfache, aber sehr gefällige Holzgebäude der Bergstation von der Eingangsseite her gesehen. Abb.33: Während des letzten Betriebsjahres der Sesselbahn wurde bei der Talstation mit dieser an einer Stütze aufgehängten Kabine auf das Neubauprojekt aufmerksam gemacht. Abb.34+35: Zwei Aufnahmen aus der Anfangszeit der Sesselbahn. Die Sessel sind bereits mit der Klemme 'C' ausgerüstet, die Gehänge sind aber noch gerade ausgeführt. Um ein Hinterfangen an den Rollenbatterien zu verunmöglichen, wurden die geraden Gehängerohre später durch gebogene ersetzt.

Sessel- und Skilift Herrenboden - Hochstuckli (2. Sektion):

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Abb.36+37: Der ehemalige, fix geklemmte Einersessellift der zweiten Sektion Herrenboden-Hochstuckli bei der Bergstation. Der Sommerbetrieb auf dieser Sektion wurde 1994 aufgegeben. Abb.38+39: Im Winter wurde diese Anlage als Skilift betrieben, wobei durch die Doppelbügel und die höhere Fahrgeschwindigkeit mehr als die doppelte Förderleistung gegenüber dem Sommer erreicht wurde.

Neue Gondelbahn "Stuckli Rondo", die erste Drehgondelbahn der Welt:

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Abb.40-44: Die am 17. Juli 2005 in Betrieb gesetzte Drehgondelbahn "Stuckli Rondo". Während der Bergfahrt drehen sich die Kabinen zweimal um die eigene Achse, was den Passagieren ein besonderes Panoramaerlebnis bereiten soll. War früher die Sesselbahn in der Landschaft kaum auszumachen, sind die Installationen der neuen Anlage nun weitherum sichtbar. Sehr gefällig sind jedoch die bunten Kabinen, die in ihrer Form entfernt an Gondelbahnen der Fünfzigerjahre erinnern.

Fotos: 1 - 33, 40-44: C. Gentil.

Weitere Infos zum Gebiet Sattel-Hochstuckli: www.sattel-hochstuckli.ch


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